15. Dezember 2015

Schüler machen sich in Sachen Hilfe für Leukämiekranke schlau

Wie sieht eine DNA aus? Was hat die PCR-Sequenzierung aus dem Biologie-Unterricht mit der Arbeit der Stefan-Morsch-Stiftung zu tun? Und wie rettet die Genetik jeden Tag das Leben von Leukämiepatienten? 14 Schüler des St. Wendeler Arnold-Janssen Gymnasiums haben nun auf alle diese Fragen eine Antwort. Vor wenigen Tagen besuchte der Biologiekurs der Abiturklasse die Stefan-Morsch-Stiftung. Die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands öffnet immer wieder auf Anfrage ihre Türen, damit Schüler und Studenten in der Praxis erleben können, dass Molekularbiologie kein trockener Stoff ist. 
Seit vielen Jahren organisieren Schüler und Lehrer der St. Wendeler Schulen immer wieder Typisierungsaktionen. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung aber nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben.  Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Das wussten die Schüler des Biologie-Kurses. Durch den Besuch der Stefan-Morsch-Stiftung konnten sie nun jedoch einen Vormittag lang ergründen, welcher Teil des menschlichen Genoms bei der Transplantation von Stammzellen entscheidend ist und warum beispielsweise die Eltern eines Patienten nicht die „richtigen“ Spender sein können.

Die Stefan-Morsch-Stiftung bietet Schulen, Fachhochschulen und Universitäten regelmäßig praxis- und vor allem lebensnahe Unterrichtsmodule für die entsprechende Altersstufe an: So besuchen Referenten aus der Stiftung die unterschiedlichsten Bildungseinrichtungen, um dort zielgruppengerecht entsprechende Fachvorträge, etwa über die praktische Anwendung von Molekulargenetik, zu halten. Umgekehrt können Schulklassen und Studienkurse Führungen und Workshops im hauseigenen Labor der Stiftung machen. Das bedeutet: Theoretisches Wissen aus dem Biologie-Unterricht oder der Genetik wird in die Praxis umgesetzt und zugleich das Zusammenspiel zwischen Spenderdatei, Labor, Entnahmestation und Transplantationskliniken erklärt.

Bio-Kursleiterin Andrea Linnebach und ihre Schüler fanden die Exkursion nach Birkenfeld so spannend, dass sich einige der Schüler auch als Stammzellspender registrieren ließen. Prinzipiell kann sich jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren aufnehmen lassen. Wer nicht älter als 40 Jahre ist, kann kostenlos typisiert werden. Gleiches gilt für Jugendliche ab 16 Jahren – vorausgesetzt die  Eltern stimmen zu.

Was gibt es noch zu beachten? Auch über diese Fragen, ließen sich die St. Wendeler Schüler informieren: Es gibt Ausschlusskriterien für die Stammzellspende, über die man sich vor der Typisierung informieren sollte – schwere Krankheiten und die Zahl der Schwangerschaften sind dabei relevant. „Typisierung“ lautet der Fachbegriff für die Aufnahme in die Stammzellspenderdatei: Ist der Gesundheitsfragebogen unterschrieben, wird eine Speichelprobe abgenommen. Daraus werden die Gewebemerkmale des Spenders analysiert. Die Merkmale werden bei der Spenderdatei der Stefan-Morsch-Stiftung gespeichert und anonym an das deutsche Zentralregister übermittelt. So stehen sie für weltweite Suchanfragen zur Verfügung. Mehr Info: Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de), gebührenfreie Info-Hotline 08 00 – 766 77 24, info@stefan-morsch-stiftung.de.  Besonders fasziniert waren die Schüler auch vom praktischen Teil: Die Schüler konnten sich an der Pipette ausprobieren und erlebten so, dass Molekularbiologie kein trockener Stoff ist – sondern ein wichtiges Element in einem Netzwerk, das tagtäglich weltweit Leben rettet.

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Was ist Leukämie?

„Leukämie“ ist der Oberbegriff für eine ganze Gruppe von Erkrankungen des blutbildenden Systems. Das Blut setzt sich aus Zellen (Blutkörperchen) und einer Flüssigkeit, dem Blutplasma, zusammen. Bei den Blutkörperchen werden dabei drei Arten unterschieden: die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten). Alle Blutzellen haben abhängig von ihrer Funktion eine begrenzte Lebensdauer. Im Knochenmark entstehen daher aus so genannten Blutstammzellen durch Zellteilung oder Reifungsschritte ständig neue Blutzellen, die dann in den Blutkreislauf übertreten. Bei einer Leukämie kommt es zu einer starken Vermehrung von weißen Blutkörperchen, insbesondere der noch funktionsuntüchtigen, jugendlichen Vorstufen. Diese Leukämiezellen verdrängen die normale Blutbildung im Knochenmark. Das stört den normalen Ablauf der Blutbildung und führt zu einem Mangel aller Arten gesunder Blutzellen. Dabei führt die Verminderung roter Blutkörperchen zu Blässe und Leistungsschwäche und die Verminderung der Blutplättchen zu vielen blauen Flecken oder schwer stillbaren Blutungen (Nasenbluten). Das Fehlen gesunder weißer Blutkörperchen führt zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen.

Abhängig von der Art der weißen Blutkörperchen, aus denen die Leukämiezellen hervorgehen, unterscheiden die Mediziner zwischen myeloischen und lymphatischen Leukämien. Beide Leukämiearten können jeweils eine akute oder chronische Verlaufsform annehmen. Akute Leukämien entwickeln sich sehr rasch und ohne Behandlung tritt hier innerhalb weniger Wochen ein lebensbedrohlicher Zustand ein. Im Gegensatz dazu sind chronische Leukämien schleichende Erkrankungen, bei denen der Patient über Monate und Jahre symptomarm bleiben kann.