Hoffen – Helfen – Heilen

Brandenburger hilft leukämiekrankem Engländer zum zweiten Mal

Alexander Kohl (37) aus dem brandenburgischen Eberswalde hat erneut einem leukämiekranken Engländer das Leben gerettet, den er gar nicht kennt: Nach seiner Stammzellspende vor vier Jahren ließ er sich nun sogenannte T-Lymphozyten entnehmen, die verbliebene Leukämiezellen im Blut des Empfängers zerstören sollen.

Stammzellen werden auf zwei Arten gespendet

2016 wurde Finanzcoach Alexander Kohl das erste Mal als passender Spender für den leukämiekranken Mann aus England ausgewählt und spendete für ihn Stammzellen: „Als die Mitarbeiterin der Stiftung damals bei mir anrief und mich gefragt hat, ob ich bereit wäre, zu spenden, habe ich sofort zugesagt“, so Kohl rückblickend. „Die Spende war unproblematisch, aber ein bisschen langweilig“, fasst er zusammen. Stammzellen können auf zwei Arten entnommen werden: Bei der sogenannten Apherese werden die benötigten Zellen aus dem Blut gefiltert, ähnlich wie bei einer Dialyse. Damit das möglich ist, bekommen die Spender vorab ein Medikament, das die Stammzellen motiviert, sich vom Knochenmark in die freie Blutbahn zu bewegen. Eine weitere Möglichkeit ist die Knochenmarkspende, bei der der Beckenkamm in Vollnarkose punktiert wird.

Stammzellspender Alexander Kohl

„Es ist so wichtig, dass sich mehr Menschen typisieren lassen.“

Vor einigen Wochen wurde der Brandenburger erneut kontaktiert: ‚Sein‘ Engländer benötigte dringend eine sogenannte Lymphozytenspende. Dabei werden spezielle weiße Blutkörperchen übertragen, die – als Teil der Immunabwehr – im Blut des Patienten verbliebene Leukämiezellen zerstören sollen. Diese T-Lymphozyten werden ebenfalls via Apherese entnommen, allerdings ohne medikamentöse Vorbehandlung. Alexander Kohl ist von der guten Sache überzeugt: „Es ist so wichtig, dass sich mehr Menschen typisieren lassen. Ohne meine Hilfe hätte mein Empfänger vielleicht nicht überlebt.“ Immer wieder denkt er an den fremden Engländer: „Ich frage mich, ob ich ihm mit meiner zweiten Spende helfen konnte, ob er es schafft. Ich wünsche ihm, dass er trotz der aktuellen Auflagen Zeit mit seinen Lieben verbringen kann.“

Leukämie kann jeden treffen

Schon seit vielen Jahren ist Alexander Kohl bei der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands erster Stammzellspenderdatei, registriert: „Leukämie könnte jederzeit auch mich treffen. Und dann wäre ich darauf angewiesen, dass es einen passenden Spender gibt“, erklärt der leidenschaftliche Motorradfahrer. Er weiß, einen passenden Stammzellspender zu finden, ist gar nicht so einfach – denn die genetischen Gewebemerkmale von Spender und Empfänger müssen so ähnlich wie möglich sein, damit eine solche Transplantation gelingen kann. Lediglich ein Drittel aller Leukämiekranken findet, wenn Chemotherapien und Bestrahlung nicht ausreichen, einen solchen ‚genetischen Zwilling‘ in der Familie; alle anderen sind auf eine Fremdspende angewiesen. Bei der Vielfalt an Genmustern gibt es aber immer noch Patienten, für die es in den weltweit vernetzten Spenderdateien keinen Treffer gibt: „Umso wichtiger ist es, dass sich noch mehr Menschen typisieren lassen“, findet Kohl. Über die Homepage der Stefan-Morsch-Stiftung kann man sich jederzeit online als möglicher Stammzellspender registrieren. Das ist gerade in Zeiten von Corona besonders wichtig, denn die Stefan-Morsch-Stiftung kann aufgrund der Auflagen derzeit nur vereinzelt Typisierungsaktionen vor Ort durchführen – weshalb aktuell über 6.000 Spender weniger registriert werden konnten als noch im Vorjahr. Die Anzahl der angeforderten Spender seitens der Transplantationskliniken ist hingegen gleichgeblieben. „Krebs geht jeden an, lasst euch unbedingt typisieren und helft anderen. Es ist eine gute Sache,“ betont Kohl abschließend.

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