Hoffen – Helfen – Heilen

Alexander Pieper ist „Freiwillig Wehrdienstleistender“ in der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne bei der Bundeswehr. Sein Ziel: „Ich will anderen Menschen etwas Gutes tun.“ So hat er sich vor einem knappen Jahr bei der üblichen Blutgruppenbestimmung in seiner Kaserne in Augustdorf freiwillig gemeldet, um sich als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren zu lassen: „Das ist für einen guten Zweck“, war sein Gedanke. Jetzt stimmten die Gewebemerkmale des 20 Jährigen aus Rheda-Wiedenbrück mit denen, eines Patienten überein und das Versprechen von damals, Hilfe zu leisten, wurde eingelöst.
Beinahe täglich sind Teams der Stefan-Morsch-Stiftung in ganz Deutschland unterwegs, um junge Soldaten als Stammzellspender zu gewinnen. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres waren fast 2500 Bundeswehr-Angehörige bereit, sich „typisieren“ zu lassen. Typisierung bedeutet: Nach entsprechender Aufklärung muss ein Spender schriftlich sein Einverständnis zur Blutabnahme und Registrierung seiner Daten bei einer Spenderdatei wie der Stefan-Morsch-Stiftung erteilen. Aus einer Blutprobe (knapp ein Fingerhut voll Blut) werden die Gewebemerkmale des Spenders im hauseigenen Labor der Stiftung bestimmt und bei der Spenderdatei gespeichert. Von dort werden sie anonym der Zentraldatei in Ulm übermittelt, wo sie mit denen der Patienten weltweit abgefragt werden können. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich somit die Chance, dass einem leukämiekranken Patienten das Leben gerettet werden kann.

Pieper wird in wenigen Wochen seinen Wehrdienst beenden. Er will ein Studium beginnen: „Ich habe mich gefreut, als die Nachricht kam, dass ich als Spender vielleicht helfen kann. Dann habe ich mich nicht umsonst registrieren lassen.“ Auch seine Familie steht hinter seiner Entscheidung: „Meine Mutter hat gesagt: Es ist eine Ehre, einem Menschen das Leben zu retten.“

Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oftmals reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Diese Stammzellen finden sich im Knochenmark. Es gibt zwei Verfahren, um diese überlebenswichtigen Stammzellen zu transplantieren: Durch eine Punktion des Beckenkamms wird Knochenmark entnommen – niemals aus dem Rückenmark. Das zweite Verfahren – und mittlerweile das am häufigsten angewandte (90 Prozent) – ist die Stammzellgewinnung aus dem Blut. Dabei wird dem Spender wenige Tage vor der Entnahme ein körpereigener Botenstoff verabreicht. So reichert sich das Blut mit Stammzellen an und kann dann in einer Entnahmestation (Apherese) ähnlich wie bei einer Dialyse entnommen werden.

Genau dieses Verfahren wurde nun bei Alexander Pieper angewandt. Der junge Sportler, der gerne Fußball spielt und sich mit Freunden trifft, denkt an den Patienten, überlegt, ob es vielleicht ein Kind ist, dem er helfen konnte. Und er hat schon jetzt entschieden: „Ich würde es in jedem Fall wieder machen.“

Die Stefan-Morsch-Stiftung ist die älteste Stammzell-Spenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Helfen – Hoffen – Heilen“ bietet die Stiftung seit mehr als 25 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Das heißt, Menschen können sich hier als Spender registrieren lassen. Ihre Daten werden anonymisiert in das Zentrale Knochenmarkspender-Register für die Bundesrepublik Deutschland (ZKRD) eingetragen. 30 Dateien – wie die Stefan-Morsch-Stiftung- speisen die Daten der Spender dort ein, damit sie für weltweite Suchanfragen zur Verfügung stehen.