Hoffen – Helfen – Heilen

„Es gibt leider immer noch viele Vorurteile“, weiß André Milke aus Attendorn (Kreis Olpe). Seit acht Jahren hat er dem Stammzellspender-Ausweis der Stefan-Morsch-Stiftung, die Leukämie- und Tumorkranken hilft. Jetzt wurde er zur Spende gebeten: „Ich habe Stammzellen gespendet – kein Knochenmark“, versucht der 41 Jährige aufzuklären.
Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Chemotherapie und Bestrahlung reichen oft nicht aus, um den Patienten zu heilen. Dann kann nur noch eine Stammzelltransplantation helfen. Stammzellen finden sich im Knochenmark. Stimmen die Daten eines Spenders mit denen eines Patienten überein, gibt es zwei Verfahren, um diese überlebenswichtigen Stammzellen zu transplantieren: Durch eine Punktion des Beckenkamms wird Knochenmark entnommen – niemals aus dem Rückenmark. Das zweite Verfahren – und mittlerweile das am häufigsten angewandte (90 Prozent) – ist die Stammzellgewinnung aus dem Blut. Dabei wird dem Spender wenige Tage vor der Entnahme ein körpereigener Botenstoff verabreicht. So reichert sich das Blut mit Stammzellen an und kann dann in einer Entnahmestation (Apherese) – etwa bei der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld – ähnlich wie bei einer Dialyse entnommen werden.

Genau dieses Verfahren wurde auch bei André Milke angewandt: „Zunächst war ich verständlicherweise nervös. Aber am Tag der Entnahme lief alles reibungslos und die Nebenwirkungen der gespritzten Präparate hielten sich in Grenzen“, erzählt der Disponent in der Textilindustrie, der bei der Firma Falke arbeitet.

Die Stefan-Morsch-Stiftung ist die älteste Stammzell-Spenderdatei Deutschlands. Seit mehr als 25 Jahren können sich hier Menschen als Spender registrieren lassen. Ihre Daten werden anonym in das Zentrale Knochenmarkspender-Register für die Bundesrepublik Deutschland (ZKRD) eingespeist. 30 Dateien – wie die Stefan-Morsch-Stiftung- tragen die Daten der Spender dort ein, damit sie für weltweite Suchanfragen zur Verfügung stehen.

André Milke spielt in seiner Freizeit Gitarre und stöbert gerne auf Flohmärkten herum. Jetzt wirbt er dafür, dass sich mehr Menschen als Stammzell-Spender registrieren lassen. Der Fachbegriff lautet „typisieren“. Dazu muss man eine kleine Blutprobe abgeben. Nach einer ersten Analyse kann man feststellen, ob man als Spender für einen leukämiekranken Patienten in Frage kommt. Mit jedem neu gewonnen Spender erhöht sich somit die Chance, dass Menschen mit Blutkrebs geholfen werden kann. Für André Milke ist nach der Stammzell-Entnahme klar: „Ich würde es bedenkenlos wieder tun.“