Hoffen – Helfen – Heilen

Das Leben eines wildfremden Menschen retten, der irgendwo auf dieser Welt lebt und Hilfe braucht … Dafür ist Andreas Stelter, Produktionsplaner bei Ball Packaging Europe in Magdeburg, fast 600 Kilometer quer durch ganz Deutschland gereist, um sich an eine komplizierte medizinische Maschine anschließen zu lassen. Eine Maschine, die über mehrere Stunden hinweg, Stammzellen aus seinem Blut heraus zentrifugiert. Mit diesen Stammzellen bekommt ein an Leukämie erkrankter Mensch, die Chance den Blutkrebs zu besiegen.
Die Geschichte beginnt eigentlich vor fast drei Jahren. Damals hatte Ball Packaging Europe, ein weltweit agierender Hersteller von Getränkedosen seine Mitarbeiter an den verschiedensten Standorten dazu aufgerufen, sich als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands ältester Stammzellspenderdatei registrieren zu lassen. „Typisierung“ lautet der Fachbegriff dafür. Andreas Stelter hat sich damals wenige Milliliter Blut abnehmen lassen. Im Labor der Stiftung wurden dann die Gewebemerkmale des heute 32 Jährigen analysiert und anonymisiert in ein weltweites Netz eingespeist, das dazu dient, für Menschen mit Leukämie einen passenden Lebensretter zu finden. Fast 20 Millionen Menschen sind heute in den verschiedensten Dateien weltweit registriert. Anfang des Jahres konnte gerade die eine Millionste Stammzelltransplantation durchgeführt werden. Nichts desto trotz ist es immer noch ein Glücksfall, für einen Patienten einen passenden Stammzellspender zu finden.

Andreas Stelter gibt offen zu, dass er auf der einen Seite froh und stolz war, „helfen zu können“, er aber dennoch im Vorfeld der Spende „Angst hatte“: „Vor den Spritzen, vor den Nebenwirkungen, vor der Maschine – vor dem, was das alles mit mir macht.“ Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm – niemals aus dem Rückenmark. Oder die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse oder Blutplasmaspende. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Diese Spritzen können als Nebenwirkungen grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen auslösen. Sie verschwinden nach der Entnahme wieder. Wie alle anderen Spender ist auch Andreas Stelter vor der Entnahme untersucht worden und über die Chancen und Risiken der Stammzellspende aufgeklärt worden. „ich bin wirklich von A bis Z aufgeklärt worden. Die Mitarbeiter der Stiftung standen rund um die Uhr für Fragen aller Art zur Verfügung. Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt“, erzählt Stelter, der in seiner Freizeit gerne an der Elbe Rad fährt. So hat der 32Jährige seine Bedenken beiseitegeschoben und hat sich in der Entnahmestation der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld –an die Apherese anschließen lassen. Dort wurden die Stammzellen – ähnlich wie einer Blutplasmaspende oder einer Dialyse – herausgefiltert. Dann wurde Transplantat schnellstmöglich zum Patienten gebracht – ob in die USA, Australien oder nach Flensburg – innerhalb von 72 Stunden. Andreas Stelter zieht ein positives Fazit: „Wenn man das aufwiegt, was man bewirken kann, ist der ganze Aufwand nichtig.“