Hoffen – Helfen – Heilen

Stammzellspende für einen Leukämiekranken! Brigitte Pelzer, gelernte Kinderkrankenschwester, weiß, dass noch viel Aufklärungsarbeit notwendig ist, um Menschen die Scheu vor einer Registrierung als Stammzellenspender zu nehmen. Deshalb hat sie sich bereit erklärt, über ihre Erfahrungen als Lebensretterin zu berichten: „Es kein großer Aufwand, um jemandem zu helfen.“ 2003 erfahren sie und ihr Mann, dass jemand aus der Nachbarschaft erkrankt ist. „Wir kannten sie und wollten versuchen zu helfen“, erzählt die 44 Jährige. Die Stefan-Morsch-Stiftung hatte zu einer Typisierungsaktion im Landauer Pfarrheim St. Alberts aufgerufen. Sie und ihr Mann gaben damals eine kleine Blutprobe ab, um sich als StammzellStammzellenspender in die Datei der Stefan-Morsch-Stiftung aufnehmen zu lassen – für den Fall, dass ein Leukämiepatient ihre Hilfe braucht. Jährlich erkranken allein in Deutschland jedes Jahr mehr als 10 000 Menschen an Leukämie. Reichen Chemotherapie und/oder Bestrahlung nicht aus, um den Blutkrebs zu besiegen, ist die Transplantation von Blutstammzellen die einzige Chance das Leben des Patienten zu retten. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzellenspender findet. Das bedeutet, die Gewebemerkmale (HLA-Werte) müssen übereinstimmen.
Brigitte Pelzer bekam vor wenigen Wochen die Nachricht, dass sie für einen an Leukämie erkrankten Menschen die richtige Stammzellenspenderin wäre: „Ich habe mich gefreut, dass ich die Chance bekomme, zu helfen.“ Im Freundes- und Bekanntenkreis wurde nun viel über das Thema gesprochen: „Eine Knochenmark-Entnahme unter Vollnarkose – davor haben viele Angst.“ Emil Morsch, Gründer des Stiftung, kennt diese Vorbehalte: „Leider glauben viele, dass das Knochenmark aus dem Rückenmark entnommen würde. Das ist schlichtweg falsch.“
Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme von Knochenmark auf dem Beckenkamm – niemals aus dem Rückenmark. Oder die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse. Dazu wird dem Stammzellenspender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation – wie bei der Stefan-Morsch-Stiftung – werden dann die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert bzw. zentrifugiert. Apherese heißt dieses verfahren. Über die Art der Spende entscheidet der StammzellStammzellenspender. Das Transplantat wird dann schnellstmöglich zum Patienten gebracht – ob in die USA, Australien oder nach Flensburg. Denn nach der Entnahme muss die Transplantation innerhalb von 72 Stunden erfolgen.
Denn das Immunsystem des Patienten muss vor der Transplantation mit Chemotherapie oder Bestrahlung ausgeschaltet werden. Kommt es in dieser Phase aus irgendeinem Grund dazu, dass der Stammzellenspender ausfällt, ist das Leben des Patienten massiv gefährdet. „Ich habe vor kurzem einen Bericht gesehen, wie es einer Familie geht, die auf eine Stammzelltransplantation wartet und welche unvorstellbaren Ängste sie ausgestanden hat. Ich hätte so gerne meinem Empfänger die Nachricht gegeben, dass ich auf jeden Fall spenden will“, erzählt Brigitte Pelzer.
Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern, die inzwischen beide ebenfalls typisiert sind, ist leidenschaftliche Wanderreiterin. Ronja und Grisou heißen die Pferde – zwei Kaltblüter – die täglich bewegt werden müssen. Doch Grisou musste in den Tagen vor der Apherese auf seine Ausflüge mit Brigitte Pelzer verzichten. „Ich wollte einfach sichergehen, dass nicht dazwischen kommt. Deshalb bin ich einfach nur spazieren gegangen.“ So konnte die Entnahme des Stammzellen reibungslos vollzogen werden: „Ich habe von den angekündigten Nebenwirkungen des Botenstoffs kaum etwas gespürt: Ein leichtes Kopfweh und Gliederschmerzen. Das war wirklich kein Aufwand“, lächelt die 44 Jährige. Sie hofft, dass sich mehr Menschen als StammzellStammzellenspender zur Verfügung stellen. Denn mit jedem neu gewonnenen Stammzellenspender, erhöht sich die Chance, dass einem an Leukämie erkrankten Menschen, das Leben gerettet werden kann.