Hoffen – Helfen – Heilen

Carmen Schmelzer ist nicht der Typ Frau, der sich leicht aus der Ruhe bringen lässt. Schließlich ist die 38 Jährige Lehrerin. Auch jetzt haben sie und ihr Mann Uwe sich nicht stressen lassen, als die Stefan-Morsch-Stiftung vor wenigen Wochen anrief und mitteilte, dass die zweifache Mutter als Spenderin einem schwer erkrankten Patienten durch eine Stammzell-Transplantation vielleicht das Leben retten kann. Zwar müssen Babysitter für die Kinder gefunden werden, die Urlaubspläne und eine Konfirmation-Einladung müssen koordiniert werden – „aber das war kein Problem“, so Carmen Schmelzer. „Ich freue mich, wenn ich helfen kann.“
Den ersten Schritt dazu hat sie vor mehr als 10 Jahren gemacht: Sie hat sich „typisieren“ lassen. Das bedeutet: Man muss eine kleine Blutprobe abgeben. Durch eine Analyse des Blutes kann man feststellen, ob man als Spender für einen leukämiekranken Patienten in Frage kommt.

Genau das war nun bei der Frau aus St. Wendel der Fall. Ein ihr unbekannter Patient hat die nahezu identischen Gewebemerkmale wie Carmen Schmelzer. Um eine Chance auf Heilung zu bekommen, braucht er ihre Stammzellen. Diese Stammzellen finden sich im Knochenmark. Stimmen die Daten eines Spenders, mit denen eines Patienten überein, gibt es zwei Verfahren, um diese überlebenswichtigen Stammzellen zu transplantieren: Durch eine Punktion des Beckenkamms wird Knochenmark entnommen – niemals aus dem Rückenmark. Das zweite Verfahren – und mittlerweile das am häufigsten angewandte (90 Prozent) – ist die Stammzellgewinnung aus dem Blut. Dabei wird dem Spender wenige Tage vor der Entnahme ein körpereigener Botenstoff verabreicht. So reichert sich das Blut mit Stammzellen an und kann dann in einer Entnahmestation (Apherese) – etwa bei der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld – ähnlich wie bei einer Dialyse entnommen werden.

Genau mit Hilfe dieses Verfahrens wurden nun bei Carmen Schmelzer die Stammzellen entnommen. Sie wurde vorher umfassend über die Entnahme, die Chancen und Risiken informiert: „Das war sehr gut. Mir wurde alles gut verständlich erklärt“, erzählt die 38Jährige.

Eine solche Vorbereitung des Spenders ist eine der Kernaufgaben, der Stefan-Morsch-Stiftung. Denn parallel zum Spender wird in einer Transplantationsklinik der leukämiekranke Patient für die Transplantation vorbereitet: Sein Imunsystem wird komplett ausgeschaltet – durch Bestrahlung oder/und Chemotherapie. Wenn er sich jetzt mit einem Virus infiziert oder es aus irgendeinem Grund mit der Stammzell-Spende nicht klappt, ist sein Leben massiv gefährdet.

Die St. Wendeler Lehrerin in Elternzeit hofft, dass die Transplantation gut klappt. Ihre Gedanken sind auch bei dem Patienten und seiner Familie: „Ich wäre auch froh, wenn ich in der Situation wäre und mir dann jemand helfen würde.“ Auch deshalb hatte sie sich damals typisieren lassen. Und der Zufall hat noch eine Überraschung für Familie Schmelzer parat: Fast zeitgleich kam ihr Mann Uwe, der ebenfalls als Stammzell-Spender registriert ist, ebenfalls in die engere Auswahl, um einem Patienten zu helfen. Beide wollen nun für eine Registrierung als Stammzell-Spender werben. Die ersten Pläne für eine größer angelegte Hilfsaktion sind schon geschmiedet. Denn mit jedem neu gewonnen Spender erhöht sich somit die Chance, dass Menschen mit Blutkrebs geholfen werden kann.