Hoffen – Helfen – Heilen

„Ich hatte zehn Minuten übrig“, erzählt Emanuel Moß, Biologie-Student aus Hamburg, über den Moment, als die Stefan-Morsch-Stiftung in vor zwei Jahren fragte, ob er Lebensretter werden wolle. Seit dem ist der 22 Jährige in der Stammzellspender-Datei registriert. Jetzt bekam er die Chance, ganz konkret einem Menschen mit Leukämie – seinem genetischen Zwilling – zu helfen. Heute sagt er: „Typisieren? Das sollte man auf jeden Fall machen.“ „Typisierung“ lautet der Fachbergriff für die Aufnahme in die Stammzellspenderdatei: Nach entsprechender Aufklärung muss ein Spender schriftlich sein Einverständnis zur Registrierung seiner Daten geben. Aus einer Blutprobe – es genügt ein Fingerhut voll Blut – werden die Gewebemerkmale des Spenders im Labor bestimmt. Gleiches funktioniert auch mit einem Abstrich der Mundschleimhaut, der mit Hilfe eines Wattestäbchens durchgeführt wird. Die Gewebemerkmale werden nach der Analyse bei der Spenderdatei – der Stefan-Morsch-Stiftung – gespeichert. Von dort werden sie anonym an das deutsche Zentralregister (ZKRD) in Ulm übermittelt, wo die weltweiten Suchanfragen nach einem passenden Spender auflaufen.
Emanuel Moß hatte damals in Nordhorn nicht nur die 10 Minuten Zeit übrig, die die Blutentnahme dauerte, er war auch von seinen Eltern gebrieft: „Die haben gesagt, das ist eine gute Sache. Mach das mal.“ Als vor einigen Monaten die Nachricht kam, dass er als Spender in Frage kommt, war der Student dennoch überrascht: „Ich habe mich in das Thema eingelesen und es war mir klar, dass ich jetzt auch spende.“
Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland mehr als 10 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. So wird für jeden Patienten ein persönlicher Therapieplan erstellt. Oftmals reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung aber nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Diese Stammzellen finden sich im Knochenmark. Stimmen die Daten eines Spenders mit denen eines Patienten überein, gibt es zwei Verfahren, um diese überlebenswichtigen Stammzellen zu transplantieren: Durch eine Punktion des Beckenkamms wird Knochenmark entnommen – niemals aus dem Rückenmark. Das zweite Verfahren ist die Stammzellgewinnung aus dem Blut. Dabei wird dem Spender wenige Tage vor der Entnahme ein körpereigener Botenstoff gespritzt. So reichert sich das Blut mit Stammzellen an und kann dann in einer Entnahmestation (Apherese) ähnlich wie bei einer Dialyse entnommen werden.
Der Biologie-Student aus Hamburg ist ehrlich: „Die Sache mit den Spritzen hat die erste Freude etwas gemindert.“ Als Nebenwirkungen können Knochen-, Muskel-, bzw. Kopfschmerzen und – in seltenen Fällen – Fieber auftreten. Diese möglichen Beschwerden verschwinden jedoch unmittelbar nach dem Absetzen der G-CSF-Gaben – sprich mit der Entnahme. Emanuel Moß bestätigt die Nebenwirkungen: „Es waren keine angenehmen fünf Tage, aber sie waren es in jedem Fall wert.“ Die Chance ein Leben zu retten.