Hoffen – Helfen – Heilen

2009 hat Ernest Okon keinen Gedanken daran verschwendet, dass er mit der Registrierung als Stammzellspender vielleicht eines Tages das Leben eines wildfremden Menschen retten kann. Der Lüdenscheider war damals Zeitsoldat und als der Blutspendedienst der Bundeswehr ihn fragte, ob man noch ein Röhrchen mehr abnehmen dürfe, damit die Stefan-Morsch-Stiftung seine Gewebemerkmale für den Fall in die Datei aufnehmen könnte, dass ein Leukämiepatient mit genau den gleichen Merkmalen seine Hilfe braucht, hat er mit den Schultern gezuckt: „Warum nicht? „Mir war das unterm Strich egal“, gibt er offen zu. Jetzt hat sich das geändert: Er hat nicht nur Stammzellen gespendet und damit einem Leukämiepatienten die Chance auf Heilung gegeben. Jetzt will er selbst dafür werben, sich in die Datei der Stefan-Morsch-Stiftung aufnehmen zu lassen. Der 23 Jährige macht eine Ausbildung zum Sozialhelfer am Gertrud- Bäumer-Berufskolleg. Dort möchte er für die Typisierung werben. Allein in Deutschland bekommen pro Jahr mehr zehntausend Menschen die Diagnose: Leukämie oder eine andere bösartige Blutkrankheit. Reicht die Behandlung mit Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus, um den Patienten zu heilen, ist die Transplantation von Knochenmark oder peripheren Blutstammzellen gesunder Spender die einzige Chance, das Leben zu retten. Mit der Transplantation bekommt der Patient ein neues, gesundes blutbildendes System. Eine solche Übertragung ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. In den Knochenmark- und Stammzellspenderdateien wie der Stefan-Morsch-Stiftung sind weltweit fast 15,5 Millionen Menschen registriert und trotzdem ist es immer noch ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein passender Spender findet.
Die „Typisierung“ also die Aufnahme in die Datei ist denkbar einfach: Jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 50 Jahren kann sich nachdem er die Einverständniserklärung unterschrieben hat, als Stammzellspender registrieren lassen. Aus einem Abstrich der Mundschleimhaut oder einer Blutprobe (knapp ein Fingerhut voll Blut sind nötig) werden die Gewebemerkmale analysiert und anonymisiert gespeichert.
„Als mich jetzt die Nachricht erreicht hat, dass ich als Stammzellspender in Frage komme, war für mich schnell klar, dass ich mich zur Verfügung stelle“, sagt Ernest Okon. „Deshalb muss aber keiner stolz auf mich sein. Es ist ein geringer Preis, ein Leben zu retten.“ Für die Voruntersuchung und die Entnahme der Stammzellen musste der 23 Jährige zweimal nach Birkenfeld/Nahe fahren. Dort befindet sich der Sitz der Stefan-Morsch-Stiftung, die nicht nur Stammzellspender wirbt und registriert, sondern auch eine Entnahmestation (Apherese) hat. Die Entnahme von Blutstammzellen funktioniert ähnlich wie bei einem Dialysegerät. Die Maschine filtert die Stammzellen aus dem Blut. Vorher muss jedoch die Zahl der zirkulierenden Stammzellen im Blut erhöht werden. Hierzu wird der Spender maximal eine Woche lang ambulant vorbehandelt, das heißt, ihm wird ein körpereigener Botenstoff unter die Haut gespritzt. Dieser Botenstoff wird natürlicherweise vom menschlichen Organismus gebildet und sorgt unter anderem dafür, dass Stammzellen vom Knochenmark ins Blut übertreten. Als Nebenwirkungen können Knochen-, Muskel-, bzw. Kopfschmerzen und – in seltenen Fällen – Fieber auftreten. Diese möglichen Beschwerden verschwinden jedoch unmittelbar nach dem Absetzen der G-CSF-Gaben. Bei der Spende von Stammzellen aus dem Blut ist weder eine Narkose noch eine Operation erforderlich. Die Entnahme von Knochenmark wird mittels einer Punktion des Beckenkamms durchgeführt.
Ernest Okon bereut es nicht, dass er sich als Stammzellspender zur Verfügung gestellt hat: „Das es für etwas gut war, merke ich ja jetzt.“