Hoffen – Helfen – Heilen

Wenn in der ARD historische Ereignisse anhand von Originalaufnahmen gezeigt werden, dann ist das mit ein Verdienst von Frank Kern. Der 41-Jährige aus Erlenbach am Main (Kreis Miltenberg) ist Softwareentwickler beim Hessischen Rundfunk und hat unter anderem an der Fernseh-Archiv-Datenbank der ARD mit programmiert. 2009 hatte die Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands älteste Stammzellspenderdatei, dort zur Typisierung für eine an Leukämie erkrankte Reporter-Kollegin aufgerufen. In allen ARD-Sendeanstalten und im Deutschlandfunk ließen sich damals Kolleginnen und Kollegen als potenzielle Lebensretter für an Leukämie erkrankte Menschen registrieren. Frank Kern war einer von ihnen. Jetzt konnte er einer ihm unbekannten jungen Frau aus Belgien die Hoffnung geben, den Blutkrebs zu besiegen.„Hilfe für Heike“ hieß vor fünf Jahren der Aufruf für eine an Leukämie erkrankte Journalistin. Frank Kern ließ sich damals als Stammzellspender registrieren. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt, der die gleichen genetischen Merkmale hat, wie der Patient.
Voraussetzung dafür ist die Typisierung. So wurden bei der Aktion 2009 auch die Gewebemerkmale von Frank Kern bestimmt und bei der Spenderdatei der Stefan-Morsch-Stiftung gespeichert. Seitdem stehen sie anonym im deutschen Zentralregister (ZKRD) in Ulm, wo sie mit denen der Patienten weltweit verglichen werden können. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich somit die Chance, dass einem leukämiekranken Patienten das Leben gerettet werden kann. Das wusste auch Frank Kern als er sich typisieren ließ.
Der Softwareentwickler ist heute 41 Jahre alt, Familienvater und gerade mit dem Hausbau voll ausgelastet. Kurz vor dem Sommerurlaub erreicht ihn die Nachricht der Stefan-Morsch-Stiftung, dass er möglicherweise der passende Spender für einen an Leukämie erkrankten Menschen ist. „Ich habe mich gefreut, dass da jemand ist, dem ich vielleicht helfen kann.“ Als er in dem Gespräch gefragt wird, ob er bereit ist zu helfen, sagt er spontan „Ja!“. Nach einer erneuten Blutuntersuchung, wird er zur Voruntersuchung gebeten. „Ich fand das sehr informativ und habe viel über mich selbst und meinen Körper erfahren“, erzählt er. Bei der Voruntersuchung wird zur Sicherheit des Spenders abgeklärt, ob er ganz gesund ist. Und er wird komplett über die Chancen und Risiken, aber auch über den Ablauf der Spende aufgeklärt.

Danach treibt den regelmäßigen Blutspender nur noch eine Sorge um: „Was ist, wenn ich mich krank werde und es mit der Spende nicht klappt?“, erzählt er. „Meine Frau arbeitet im Kindergarten und ich bin der Typ, wenn meine Frau und meine Kinder einen Virus mit Heim schleppen, fällt der immer mich an.“ Bei diesen Gedanken geht es ihm nicht um sich selbst. Er weiß: Während er sich auf die Spende vorbereitet, wird das Immunsystem der jungen Patientin in Belgien durch Bestrahlung und/oder Chemotherapie ausgelöscht oder sehr stark unterdrückt. Wenn die Patientin jetzt aus irgendeinem Grund keine Stammzellspende erhält, ist ihr Leben massiv gefährdet.
Mit der Übertragung von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Die Stammzellen sind normalerweise im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender einige Tage lang ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Bei der Entnahme werden dann die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert bzw. zentrifugiert. Apherese heißt dieses Verfahren, das heute am häufigsten angewandt wird. Bei der klassischen Methode, der Knochenmarkspende, punktieren die Ärzte den Beckenknochen des Spenders – niemals das Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Bei der Patientin aus Belgien präferierten die behandelnden Ärzte die Apherese, wozu sich Frank Kern auch bereit erklärte: „Die Entnahme war für mich wie eine lange Blutspende. Ich würde es in jedem Fall wieder tun?“ #dji

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