Hoffen – Helfen – Heilen

150 Kollegen der der WAZ-Mediengruppe „Der Westen“ sind vor vier Jahren einem Aufruf gefolgt, sich für einen leukämiekranken Journalisten-Kollegen typisieren lassen: Heike Stutz war eine von Ihnen. Nie hätte sie geglaubt, dass sie jemals als Stammzellspenderin ausgewählt wird. Doch jetzt war es soweit: Die Gewebemerkmale der Essenerin stimmten mit denen eines leukämiekranken Patienten überein. So kann die Hilfsaktion von damals, heute noch Leben retten.
Leukämie ist eine bösartige Erkrankung der weißen Blutkörperchen, die ihren Ausgang im Knochenmark nimmt, wo sämtliche Blutzellen des Menschen gebildet werden. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann kann nur die Übertragung gesunder Blutstammzellen das Leben des Patienten retten. Auch bei einer Reihe anderer Bluterkrankungen wie Thalassämie, angeborenen schweren Immundefekten oder bei Krankheiten, deren Behandlung eine massive Chemotherapie oder starke Bestrahlung erfordert, hat sich die Übertragung gesunder blutbildender Zellen bewährt.

Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme von Knochenmark auf dem Beckenkamm – niemals aus dem Rückenmark. Oder die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation – wie bei der Stefan-Morsch-Stiftung – werden dann die Stammzellen entnommen. Über die Art der Spende entscheidet der Stammzellspender. Das Transplantat wird dann schnellstmöglich zum Patienten gebracht – ob in die USA, Australien oder nach Flensburg. Denn nach der Entnahme muss die Transplantation innerhalb von 72 Stunden erfolgen.

Heike Stutz, Mutter von zwei Kindern, wurden Stammzellen aus dem peripheren Blut entnommen. Der körpereigene Botenstoff hat Nebenwirkungen gezeigt – Kopf- und Gliederschmerzen.
Doch sowohl ihre Familie, als auch die Arbeitskollegen bei „Der Westen“ haben sie unterstützt: „Meine Familie und meine Kollegen haben mir den Rücken für die Entnahme frei gehalten.“
Heike Stutz, die vor wenigen Wochen, frisch aus dem Urlaub zurück gekehrt, von der Nachricht Stammzellspenderin zu werden überrascht wurde, hat ihren Blick auf den Patienten gelenkt: „Da ist jemand, der macht sich keine Gedanken über die Gestaltung seines Lebens – über Urlaub etc., sondern kämpft um sein Leben.“ Und so war es für Heike Stutz keine Frage: „Da helfe ich.“