Hoffen – Helfen – Heilen

Ist es eine Selbstverständlichkeit, einem wildfremden Menschen das Leben zu retten? Heike Trier aus Kleinblittersdorf (Kreis Saarbrücken) hat das einfach versucht: Die 44-Jährige ist Stammzellspenderin. Seit zwei Jahren hat sie ein kleines hellblaues Kärtchen der Stefan-Morsch-Stiftung – nur für den Fall, dass ein ihr unbekannter Mensch an Leukämie erkrankt und die Mutter von zwei Töchtern die einzige ist, die ihn mit einer Stammzellspende retten kann. Exakt dieser Fall ist eingetreten. Heike Trier hat mit ihrer Stammzellspende einem Leukämiepatienten die Chance gegeben, geheilt zu werden – die einzige Chance, den Blutkrebs zu besiegen.Vor fast zwei Jahren, im Herbst 2012 rief die Stefan-Morsch-Stiftung für einen Leukämiepatienten aus der Umgebung nach Saarbrücken zur Typisierung auf. „Vielleicht passe ich und kann helfen“, denkt sich Heike Trier und lässt sich als mögliche Stammzellspenderin registrieren. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Oftmals reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Deshalb ist die Stefan-Morsch-Stiftung nahezu täglich in ganz Deutschland unterwegs, um über das Thema Stammzellspende aufzuklären. Sie ist Deutschlands älteste Stammzellspenderdatei und leistet seit fast 30 Jahren schnelle und persönliche Hilfe für Krebskranke und ihre Familien.
Heike Trier, die Querflöte im Orchesterverein Harmonie Ormesheim spielt, ließ sich genau über das Thema Stammzelltransplantation informieren. Die Registrierung war ganz einfach: Ein Fragebogen, eine Unterschrift und ein Piek – ein Fingerhut voll Blut genügt, um die Gewebemerkmale festzustellen. „Typisierung“ ist der Fachbegriff dafür. Braucht ein Patient eine Stammzelltransplantation, werden seine Gewebemerkmale, die HLA-Werte, mit denen von registrierten Spendern verglichen. Um als Spender in Frage zu kommen, sollten im Idealfall zehn von zehn Werten übereinstimmen.
Im November 2013 meldete sich die Stefan-Morsch-Stiftung bei Heike Trier: Sie kam als Stammzellspenderin für einen Leukämiepatienten in Frage. „Ich war überrascht. Dann hab ich mich über die Chance, zu helfen, gefreut“, erinnert sie sich. Ihr wurde ein Blutentnahmeset zugeschickt, mit dem ihr der Hausarzt Blut abnehmen konnte. Das Set schickte Heike Trier wieder
zurück zur Stiftung, wo die Blutprobe noch einmal untersucht wurde. „Als mir im Januar gesagt wurde, dass ich die geeignete Spenderin wäre, hatte ich schon ein bisschen Angst. Ich wusste nicht genau, was auf mich zukommt.“ Kurz darauf fuhr sie nach Birkenfeld zur Voruntersuchung, wo das ärztliche Aufklärungsgespräch stattfand und wo sie sich einem Gesundheitscheck unterziehen musste: „Ich war aufgeregt, aber die Ärztin hat mich über alles gut aufgeklärt.“
Die Familie von Heike Trier machte sich anfangs Sorgen wegen der Stammzellspende. „Meine Kinder hatten Angst um mich und mein Mann war skeptisch“, erzählt sie. Doch zur Apherese begleitet er sie: „Nachdem meine Frau es mir erklärt hat, fand ich, dass es eine gute Geschichte ist – man kann jemandem das Leben retten.“
Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm – niemals aus dem Rückenmark. Die zweite Möglichkeit ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation – wie bei der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld – werden dann die Stammzellen herausgefiltert. Das nennt man Apherese. Über die Art der Spende entscheidet der Stammzellspender.
Heike Trier hat sich für die Apherese entschieden. Dass sie sich selbst spritzen musste, hat ihr nichts ausgemacht: „Ich war überrascht, wie locker das war.“ Schon im Vorhinein hat sie viel an den Patienten gedacht: „Es geht einem schon durch den Kopf, was mit dem Patienten passiert und ob er alles gut verkraftet.“ Für Heike Trier war die Spende jedenfalls kein großes Problem: „Es geht. Ich hab ein bisschen mit Unwohlsein zu kämpfen“, gesteht sie. Doch sie ist überzeugt: „Mit einem kleinen Aufwand kann man hier relativ viel bewegen.“ Jetzt hofft sie, dass der Patient wieder gesund wird und es ihm gut geht.