Hoffen – Helfen – Heilen

Mit Hydraulik kann man schwere Arbeit in leichte umwandeln. Das gehört zur täglichen Arbeit von Heiko Steinbach aus Trier, der bei Volvo in Konz an der Konstruktion von Baggern arbeitet. Dass Hydraulik ihm dabei helfen würde, vielleicht das Leben eines Leukämiekranken zu retten, hatte der 32 Jährige nicht vermutet als er sich vor fast acht Jahren bei einem Benefizkonzert als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren ließ. Aber die Hydraulik ist nun Nebensache: Heiko Steinbach hat mit einer Stammzellspende einem an Leukämie erkrankten Menschen, die Chance gegeben geheilt zu werden: „Ich konnte mit relativ wenig Aufwand sehr helfen. Das ist wichtig dabei.“„Stargate“ hieß damals die Band, die der Trierer kurz vor Weihnachten in Trittenheim live hören wollte. „Es war Zufall. Die Stefan-Morsch-Stiftung bot damals an, dass man sich typisieren lassen konnte. Eine gute Gelegenheit, dachte ich, und es schadet ja nicht.“ Mehr als 100 Konzertbesucher haben es damals genauso gemacht. Sie haben sich als Stammzellspender in die Datei der Stefan-Morsch-Stiftung aufnehmen lassen. Leukämie ist eine der bösartigen Erkrankungen, die eine Übertragung gesunder Blutstammzellen erfordern können. Mit einer solchen Transplantation bekommt der Patient ein neues blutbildendes System – seine einzige Hoffnung auf Leben, wenn Chemotherapie oder Bestrahlungen nicht ausreichen. Diese Transplantation ist aber nur möglich, wenn es Menschen gibt, die sich typisieren lassen – sprich: als potenzielle Stammzellspender in unserer Spenderdatei erfasst sind. Um Stammzellen übertragen zu können, müssen die Gewebemerkmale von Spender und Patient übereinstimmen. Bis heute sind in den Knochenmark- und Stammzellspenderdateien weltweit über 20 Millionen Menschen registriert – trotzdem ist es oft ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein Spender findet.
Als die Stefan-Morsch-Stiftung ihn jetzt benachrichtigt, dass er als Spender helfen kann, hat der Hydraulikexperte keine großen Bedenken: „Ich wurde umfassend informiert und aufgeklärt. Da ist wirklich keine Frage offen geblieben.“ Kollegen, Freunde und seine Familie unterstützen ihn bei seinem Entschluss, nachdem auch er im Detail erklären kann, welche Chancen und Risiken eine Stammzellentransplantation für ihn als Spender und für den Patienten hat. Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Damit die Entnahme stattfinden kann, ist ein koordinatorischer Drahtseilakt nötig: Die Mitarbeiterinnen der Stefan-Morsch-Stiftung müssen mit der Transplantationsklinik des Patienten und dem Spender einen genauen Zeitplan abstimmen. Denn der Patient, der dringend auf die Stammzelltransplantation angewiesen ist, muss zum exakt vorbestimmten Zeitpunkt die Stammzellen bekommen. Entscheidend ist dabei auch, dass sein Gesundheitszustand die Übertragung der Stammzellen erlaubt. Deshalb gibt es manchmal sehr kurzfristige Terminverschiebungen, auf die sich dann der Spender einstellen muss. Das hat auch Heiko Steinbach erfahren. Denn der Patient wird parallel zum Spender auf die Stammzellen-Übertragung vorbereitet. Sein Immunsystem wird komplett ausgeschaltet – durch Bestrahlung oder/und Chemotherapie. Eine Therapiephase, die sehr belastend ist. Wenn der Patient sich jetzt mit einem Virus infiziert oder es aus irgendeinem Grund mit der Stammzell-Spende nicht klappt, ist sein Leben massiv gefährdet. Steinbach und seine Frau Carina erzählen von dieser Vorbereitungsphase, in der ihnen bewusst wurde, dass es da einen ihnen völlig unbekannten Menschen gibt, der auf Heiko Steinbachs Hilfe angewiesen ist: „Mir war klar, dass wenn ich jetzt durch Leichtsinn eine Erkältung oder Grippe bekomme, es beim Empfänger um Leben oder Tod geht.“

Aber Heiko Steinbach hatte seinen Entschluss, Stammzellen zu spenden gefasst. Um die Stammzellen beim Spender zu entnehmen gibt es heute zwei Varianten: Bei der klassischen Methode der Knochenmark-Entnahme entnehmen Mediziner etwa 0,8 bis 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die zweite Methode ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. In der Maschine, die dazu benötigt wird, steckt übrigens die Hydraulik, die hier dazu beiträgt, Leben zu retten. Heiko Steinbach sagt: „Man muss betonen, wie wenig Aufwand es ist, damit sich andere Menschen auch typisieren lassen und im Ernstfall auch Stammzellen spenden.“ (dji)