Hoffen – Helfen – Heilen

Leukämie und Stammzellspende sind für den Gesundheits- und Krankenpfleger Jonas Wilbert keine fremden Themen. Vor vier Jahren ließ er sich gemeinsam mit seiner Berufsschulklasse als Stammzellspender – als möglicher Lebensretter – registrierten. Jetzt wird der 25-Jährige aus Koblenz gebraucht: Ein Leukämiepatient braucht dringend eine Stammzelltransplantation und Wilbert kann ihm mit einer Stammzellspende helfen.Jonas Wilbert arbeitet als Pfleger im Stiftungsklinikum Mittelrhein in Koblenz und studiert berufsbegleitend in Mainz Gesundheits- und Pflegemanagement. Während seiner Ausbildung wird er auf die Möglichkeit der Stammzellspende aufmerksam, als „Leukämie“ Thema im Unterricht war. „Ich fand das eine gute Sache“, erzählt Wilbert. Damit war er nicht allein, die ganze Klasse war bereit Leukämiekranken zu helfen und deshalb setzten sie sich mit der Stefan-Morsch-Stiftung, einer Stammzellspenderdatei, in Verbindung. Die gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Birkenfeld bietet seit fast 30 Jahren unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist es, Menschen zu werben, die sich als Stammzellspender registrieren lassen – allein im Jahr 2013 waren es mehr als 17.000.
Die Stiftung schickt der Klasse Sets zur Blutentnahme zu. Gegenseitig nehmen sich die Auszubil-denden jeweils knapp 5 ml Blut ab und schicken die Blutproben wieder zurück zur Stiftung, gemeinsam mit den ausgefüllten Fragebogen zum Gesundheitszustand und einer Einverständniser-klärung. Im hauseigenen Labor der Stiftung werden die Proben dann auf die Gewebemerkmale, die sogenannten HLA-Werte, untersucht. Braucht ein Patient eine Stammzelltransplantation, werden diese Gewebemerkmale mit denen der potenziellen Stammzellspender verglichen. Zehn von zehn Merkmale stimmen im Idealfall überein, wenn jemand aus Stammzellspender ausgesucht wird.
Wenige Wochen vor Weihnachten 2013 klingelte das Telefon des 25-Jährigen: Die Stefan-Morsch-Stiftung fragt, ob er bereit wäre, für einen Patienten Stammzellen entnehmen zu lassen. „Das war eine Überraschung. Aber ich dachte mir nichts dabei, da es häufig sein kann, dass man in Frage kommt und dann ein Spender gefunden wird, der besser geeignet ist.“ Schnell steht fest, dass der FC Bayern-Fan der optimale Spender ist: „Da hab ich mich riesig gefreut!“ Noch vor Weihnachten kommt er zur Voruntersuchung nach Birkenfeld, wo ein genauer Gesundheitscheck gemacht wird, um für den Spender Risiken bei der Entnahme auszuschließen.
Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkei-ten: Die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm – niemals aus dem Rückenmark. Oder die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation – wie bei der Stefan-Morsch-Stiftung – werden dann die Stammzellen entnommen. Über die Art der Spende entscheidet der Stammzellspender.
Jonas Wilbert, der regelmäßig Fitnesssport betreibt, hat sich für die Apherese entschieden. In seiner Vorbereitungszeit dachte er viel an den unbekannten Patienten: „Es wurde ernst, man ist nicht nur für sich verantwortlich, sondern auch für den Patienten. Ich war insgesamt vorsichtiger um Unfällen vorzubeugen, die die Spende gefährdet hätten.“ Nachdem für ihn alles gut verlaufen ist, hofft er, dass dem Patienten geholfen werden kann.