Hoffen – Helfen – Heilen

„Dann hat sich die Typisierung als Stammzellspenderin bei der Stefan-Morsch-Stiftung gelohnt“, freut sich die 21-jährige Lena Schmitt aus München-Neubiberg, als sie hört, dass sie als genetisch passende Spenderin einem Leukämiepatienten helfen kann. Denn helfen ist für die studierende Offiziersanwärterin „selbstverständlich“, sagt sie. Deswegen spendet sie in Birkenfeld bei der Stefan-Morsch-Stiftung Stammzellen für den Patienten. Ihr Engagement kann für ihn lebensrettend sein.
Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Oftmals reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Deshalb ist die Stefan-Morsch-Stiftung nahezu täglich in ganz Deutschland unterwegs, um über das Thema Stammzellspende aufzuklären und jungen Menschen die Registrierung als möglicher Lebensretter für einen Leukämiekranken anzubieten – auch an vielen Bundeswehrstandorten.

So war ein Team der Stiftung auch im April 2013 während der Blutspende in der Rilchenberg-Kaserne, Idar-Oberstein, wo Lena Schmitt zu der Zeit stationiert war, bevor sie an der Universität der Bundeswehr in München-Neubiberg ihr Studium der Staats- und Sozialwissenschaften beginnt. Die Mitarbeiter der Stiftung bieten bei solchen Aktionen den Soldaten an, sich während dem Blut spenden typisieren zu lassen. Auch Lena Schmitt, die gebürtig aus Saal an der Saale, Kreis Rhön-Grabfeld, stammt, kam zur Blutspende. Sie ließ sich ganz unkompliziert ein bisschen mehr Blut in ein Röhrchen abnehmen – ein Fingerhut voll – um sich als Stammzellspenderin zu registrieren: „Ist doch selbstverständlich, dass ich da helfe.“ Im Labor der Stefan-Morsch-Stiftung wird die Blutprobe auf die Gewebemerkmale, die HLA-Werte, hin untersucht. Benötigt ein Patient eine Transplantation, werden diese Werte mit denen von potenziellen Spendern in der Datei verglichen. Um als Spender in Frage zu kommen, stimmen im Idealfall zehn von zehn dieser Werte überein.

Die Offiziersanwärterin ließ sich wohl genau zur richtigen Zeit typisieren, denn keine drei Monate später braucht ein Leukämiepatient schon ihre Hilfe: Ihre Werte passen zu denen eines Patienten, der eine Stammzelltransplantation braucht. „Über die Nachricht der Stiftung habe ich mich richtig gefreut!“, erinnert sich die Hobby-Fußballerin. Es folgt eine Reihe von Untersuchungen und Gesprächen bis klar war, dass sie tatsächlich die optimale Spenderin für den Patienten ist: „Es ist schön, dass ich jemandem helfen kann. Ich hab mich richtig gut gefühlt“, erzählt sie. Mit dieser Meinung ist sie nicht allein. Auch ihre Familie und ihre Freunde, von denen auch einige typisiert sind, fanden das klasse. Eine ihrer Freundinnen begleitet sie sogar zum Spendetermin nach Birkenfeld. Ihre Vorgesetzten bei der Bundeswehr ebneten ihr den Weg und stellten sie, ohne zu zögern für die erforderlichen Termine frei.

Die Spenderbetreuerinnen der Stefan-Morsch-Stiftung sind in dieser Zeit rund um die Uhr für die Spenderin erreichbar und begleiten sie bei allen Schritten. Der organisatorische Aufwand und die entstehenden Kosten werden von der Stiftung übernommen. Lena Schmitt ist erstaunt über das Engagement der Stiftung: „Ich bin positiv überrascht darüber, was wir von der Stiftung alles gestellt bekommen: die Fahrt, die Unterkunft und das Essen.“

Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm – niemals aus dem Rückenmark. Oder die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Blutplasmaspende. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation – wie bei der Stefan-Morsch-Stiftung – werden dann die Stammzellen entnommen. Das nennt sich Apherese. Schmitt entschied sich für die zweite Methode. Das Spritzen des Botenstoffes war für sie kein Problem: “Ich habe mir den Botenstoff selbst gespritzt. Bevor ich zur Bundeswehr ging, hab ich eine Ausbildung als Kinderkrankenschwester angefangen. An Spritzen bin ich deshalb gewöhnt.“

Gelassen sieht sie am Morgen vor der Spende der Stammzellentnahme entgegen: „Ich habe mich gefreut, dass es soweit ist und ich jetzt helfen kann.“ Die Entnahme hat sie, abgesehen von leichter Übelkeit, gut überstanden. Sie ist froh, dass sie helfen kann: „Ich finde es toll, dass alles so gut geklappt hat. Ich würde es definitiv wieder machen.“

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