Hoffen – Helfen – Heilen

Krebs betrifft nicht nur den Patienten, auch die Angehörigen sind Betroffene. Manuela K. aus der Nähe von Speyer weiß das aus eigener Erfahrung. Als sie dann vor drei Jahren die Möglichkeit hat, sich mit einer Typisierung für Blutkrebskranke zu engagieren, tut sie es auch. Und die 34-Jährige wird tatsächlich gebraucht: Ein Leukämiepatient ist dringend auf eine Stammzelltransplantation angewiesen und Manuela K. ist die passende Stammzellenspenderin. Sofort steht für sie fest, dass sie hilft.
Leukämie – 11 000 Mal pro Jahr wird allein in Deutschland diese Diagnose gestellt. Oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. KnochenmarkStammzellenspender zur Verfügung stellt. Deshalb ist die Stefan-Morsch-Stiftung nahezu täglich in ganz Deutschland unterwegs, um über das Thema Stammzellspende aufzuklären – fast 350 Mal allein im Jahr 2013.

So erreicht die Stiftung auch Manuela K.. „In meiner Familie gab es einen Fall von Krebs. Nach dieser Erfahrung war es für mich einfach naheliegend, dass ich anderen schwer kranken Menschen helfen möchte“, erzählt Manuela K., „deswegen ließ ich mich in Germersheim typisieren.“ Sie ließ sie sich genau über Stammzellspende aufklären und füllte einen Fragebogen zu ihrem Gesundheitszustand aus. Dann unterschrieb sie die Einverständniserklärung für die Registrierung als StammzellStammzellenspenderin. Ihr wurde ein kleines Röhrchen voll Blut, etwa 5 ml, abgenommen und im Labor der Stefan-Morsch-Stiftung auf die Gewebemerkmale, die HLA-Werte, hin untersucht. Benötigt ein Patient eine Transplantation, werden die HLA-Werte mit denen von potentiellen Stammzellenspendern in der Datei verglichen. Um als Stammzellenspender in Frage zu kommen stimmen im Idealfall zehn von zehn dieser Werte überein.

Manuela K., die mit ihrem Mann zusammen lebt hört zum ersten Mal im Herbst 2013 von der Stefan-Morsch-Stiftung: Womöglich käme sie als Stammzellenspenderin für einen Leukämiepatienten in Betracht. „Einerseits war mir klar, dass das passieren kann, denn schließlich ließ ich mich dafür ja registrieren. Trotzdem kam es überraschend“, erinnert sich Manuela K.. Nach weiteren Untersuchungen und Gesprächen war klar, dass sie die optimale Stammzellenspenderin für den Patienten ist. „Für mich stand es fest, dass ich das mache. Da gab es für mich nichts zu überlegen.“ Ihr Mann allerdings machte sich Sorgen: „Mein Mann hatte anfangs Angst. Was er im Aufklärungsgespräch hörte, beruhigte ihn dann doch“, erzählt sie. Die Familie war von ihrem Engagement begeistert. Ihre Vorgesetzten hielten ihr für die Stammzellspende den Rücken frei.

Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme von Knochenmark auf dem Beckenkamm – niemals aus dem Rückenmark. Oder die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse. Dazu wird dem Stammzellenspender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut übergehen lässt. In der Entnahmestation bei der Stefan-Morsch-Stiftung werden dann die Stammzellen entnommen. Das nennt man Apherese. Manuela K. entschied sich für die Apherese. Die Spritzen, mit denen sie sich den Botenstoff verabreichen musste, setzte sie sich selbst. Vor der Apherese war sie nervös: „Man weiß trotz Vorgesprächen nicht ganz genau, was auf einen zukommt.“

Ehe die Patienten die neuen Blutstammzellen erhalten, muss ihr eigenes blutbildendes System zerstört werden – meist durch eine Kombination von Chemo- und Strahlentherapie. Konditionierung nennt man diese Phase der Therapie. Wenn in dieser Phase der Stammzellenspender wegfallen würde, hätte das für den Patienten fatale Folgen. Manuela K. weiß das: „Ich fühle mich für den Patienten verantwortlich.“

Die Apherese hat sie gut überstanden: „Ich bin froh, dass es jetzt vorbei ist“ sagt sie lächelnd, „aber ich bin auch froh, dass ich es gemacht habe!“. Sie möchte auch andere dazu motivieren, sich als StammzellStammzellenspender registrieren zu lassen: „Mehr Menschen sollten sich typisieren lassen.“