Hoffen – Helfen – Heilen

Wenn ich von etwas viel habe, gebe ich gerne was ab, um damit jemandem zu helfen.“ Der 42-jährige Martin Eifler aus Sulzbach-Altenwald, Kreis Saarbrücken, hilft gerne. Regelmäßig geht er Blut spenden, hat einen Organspenderausweis und seit kurzem ist er auch Stammzellspender. Ein Leukämiepatient ist dringend auf eine Stammzellspende von einem genetisch passenden Spender angewiesen, um Hoffnung auf Heilung zu haben. Der Tankstellentechniker hat zufällig die gleichen Gewebemerkmale wie der Patient. Um für ihn Stammzellen zu spenden, fährt er nach Birkenfeld zur Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands ältester Stammzellspenderdatei.
Leukämie – jedes Jahr erhalten allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen diese Diagnose. Wenn Chemotherapie und Bestrahlung nicht helfen, kann nur noch eine Stammzelltransplantation helfen. Durch sie wird dem Patienten ein neues blutbildendes System eingepflanzt. Dazu braucht der Patient aber einen Spender, dessen Gewebemerkmale weitestgehend mit den eigenen übereinstimmen. Diese Suche erfolgt in den weltweit vernetzten Spenderdateien. Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz in Birkenfeld ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ bietet die gemeinnützige Stiftung seit fast 30 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist Menschen zu werben, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen.

Vor drei Jahren wurde Martin Eifler auf die Stiftung aufmerksam. Damals war ein kleiner Junge an Blutkrebs erkrankt und in Sulzbach-Neuweiler wurde zur Typisierung aufgerufen. Fast 600 Menschen lassen sich dort typisieren, zu ihnen gehört auch Martin Eifler. „Das war ein Benefizfußballspiel. Der Verein meines Sohn nahm daran teil“, erinnert er sich. Mitarbeiter der Stiftung klärten ihn genau über das Thema Stammzellspende auf. Er unterschrieb eine Einverständniserklärung, füllte einen Fragebogen zu seinem Gesundheitszustand aus und ließ sich dann einen Fingerhut voll Blut abnehmen. Im Labor der Stiftung werden die Blutproben auf ihre genetischen Gewebemerkmale, die sogenannten HLA-Werte, hin untersucht und für weltweite Suche gespeichert.

Der dreifache Familienvater liebt Sport und Tiere. In seinem Haus gibt es nicht nur jeder Menge Modellautos und Flugzeuge, sondern auch einen Jack Russel-Terrier, eine Bartagame namens „Killer“, einen Hasen und zwei Katzen. Kurz nach Weihnachten 2013 klingelte das Telefon: Eine Mitarbeiterin der Stefan-Morsch-Stiftung erreicht ihn als gerade eine Tankstelle wartet: „Ich war gespannt, was auf mich zukommt“, erzählt Eifler. Zweifel hat er keine: „Wenn ich mich für was entschließe, ist das so und wird gemacht.“ Doch bevor es so weit ist, wird der Spender genau untersucht, um Risiken, die er vielleicht bei der Stammzellspende eingehen könnte, auszuschließen.

Von Anfang an sind seine Frau und vor allem seine Tochter, die Krankenschwester werden will, von der Chance begeistert, womöglich einem Leukämiekranken das Leben zu retten. Auch dem Chef der D. S. Tankanlagen- und Werkstattservice GmbH gefällt das Vorhaben seines Mitarbeiters und er stellt ihn für die erforderlichen Termine frei.

Mit der Übertragung von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Oder die klassische Methode – die Knochenmarkspende. Dabei entnehmen Mediziner die Stammzellen aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Eifler hat sich für die periphere Blutstammzellspende entschieden: Dazu bekommt der Spender einige Tage lang einen körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation werden dann die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert bzw. zentrifugiert. Apherese heißt dieses Verfahren, das heute am häufigsten angewandt wird.

„Hoffentlich klappt alles und dem Patienten kann geholfen werden“, hofft Martin Eifler nach der Apherese. Er möchte auch andere dazu motivieren, sich typisieren zu lassen: „Es sollten mehr Menschen spenden. Es muss mehr über das Thema Stammzellspende, aber auch über Organspende in der Öffentlichkeit geredet werden.“