Hoffen – Helfen – Heilen

„Ich habe mich gefreut, dass ich helfen kann.“ Als Stammzellspender der Stefan-Morsch-Stiftung hat Mathias Huber aus Baltringen bei Laupheim, einem wildfremden Menschen vielleicht das Leben gerettet. Von diesem Menschen kennt der 22jähirge Zeitsoldat weder den Namen noch das Alter oder den Wohnort. Huber weiß nur, dass seine Gewebemerkmale mit dem des anderen übereinstimmen und dass sein genetischer Zwilling so schwer erkrankt ist, dass er eine Stammzell-Transplantation braucht, um zu überleben.
Leukämie ist eine bösartige Erkrankung der weißen Blutkörperchen, die ihren Ausgang im Knochenmark nimmt, da sämtliche Blutzellen des Menschen im Knochenmark gebildet werden. Nach Ausschöpfung aller medikamentösen Behandlungsmethoden ist oftmals ist die Übertragung (Transplantation) gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Auch bei einer Reihe anderer Bluterkrankungen, wie angeborenen schweren Immundefekten und bei Krankheiten, deren Behandlung eine massive Chemotherapie oder starke Bestrahlung erfordert, hat sich die Übertragung gesunder blutbildender Zellen bewährt.

Die Stefan-Morsch-Stiftung ist die älteste Stammzell-Spenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Helfen – Hoffen – Heilen“ bietet die Stiftung seit mehr als 25 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Das heißt, Menschen können sich hier als Spender registrieren lassen. Ihre Daten werden anonymisiert in das Zentrale Knochenmarkspender-Register für die Bundesrepublik Deutschland (ZKRD) eingetragen. 30 Dateien – wie die Stefan-Morsch-Stiftung- speisen die Daten der Spender dort ein, damit sie für weltweite Suchanfragen zur Verfügung stehen.

Huber hat sich vor fast einem Jahr im Zusammenhang mit einem der Blutspendetermine bei der Bundeswehr „typisieren“ lassen. Beinahe täglich sind Teams der Stefan-Morsch-Stiftung in ganz Deutschland unterwegs, um junge Soldaten als Stammzellspender zu gewinnen. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres erklärten sich fast 2500 Bundeswehr-Angehörige bereit, im Ernstfall für einen an Leukämie erkrankten Menschen Stammzellen zu spenden. „Ich wusste, dass das eine gute Sache ist. In meinem Bekanntenkreis hatte auch jemand Leukämie“, erzählt der sportliche Betriebsführungsfeldwebel von den Heeresfliegern Laupheim.

Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. So wird für jeden Patienten muss ein persönlicher Therapieplan erstellt. Oftmals reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung aber nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Diese Stammzellen finden sich im Knochenmark.

Stimmen die Daten eines Spenders mit denen eines Patienten überein, gibt es zwei Verfahren, um diese überlebenswichtigen Stammzellen zu transplantieren: Durch eine Punktion des Beckenkamms wird Knochenmark entnommen – niemals aus dem Rückenmark. Das zweite Verfahren – und mittlerweile das am häufigsten angewandte – ist die Stammzellgewinnung aus dem Blut. Dabei wird dem Spender wenige Tage vor der Entnahme ein körpereigener Botenstoff verabreicht. So reichert sich das Blut mit Stammzellen an und kann dann in einer Entnahmestation (Apherese) ähnlich wie bei einer Dialyse entnommen werden.

Genau dieses Verfahren wurde jetzt bei Mathias Huber angewandt. Trotz der Nebenwirkungen wie etwa Kopf- und Rückenschmerzen würde Mathias Huber wieder die Chance wahrnehmen, einem anderen das Leben zu retten: „Die Nebenwirkungen sind auszuhalten und im Nachhinein habe ich ein gutes Gefühl.“