Hoffen – Helfen – Heilen

Auf seinem T-Shirt prangt das Logo des VfL Bochum. In seiner Brust schlägt das Herz eines Lebensretters. Michael Pöttgen ist Stammzellspender und gibt damit vielleicht einem Leukämiepatienten – seinem genetischen Zwilling – die Chance den Blutkrebs zu besiegen. Er sagt: „Es ist wirklich ganz einfach – nur ein kleine Pikser.“2004 hat sich der heute 42 Jährige Bochum-Fan „typisieren“ lassen. „Typisierung“ lautet der Fachbergriff für die Aufnahme in die Stammzellspenderdatei der Stefan-Morsch-Stiftung. Die Birkenfelder Stiftung hilft seit 25 Jahren Leukämie- und Tumorkranken. Ein Teil dieser Arbeit ist der Aufbau der Spenderdatei. Denn jedes Jahr erkranken allein In Deutschland fast 11 000 Menschen an Leukämie. Pöttgen, Straßenbahnfahrer in Bochum, hat sich damals registrieren lassen, weil ein Kollege an Blutkrebs erkrankt war. Leukämie ist eine bösartige Erkrankung der weißen Blutkörperchen, die ihren Ausgang im Knochenmark nimmt, wo sämtliche Blutzellen des Menschen im Knochenmark gebildet werden. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann kann nur die Übertragung gesunder Blutstammzellen das Leben des Patienten retten. Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. „Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn es Menschen wie Michael Pöttgen gibt, die sich typisieren lassen – sprich: in der Spenderdatei erfasst sind“, so Andrea Djifroudi, Sprecherin der bundesweit agierenden Stiftung. Zwar sind in den Knochenmark- und Stammzellspenderdateien weltweit mehr als 20 Millionen Menschen registriert – trotzdem ist es immer noch ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein passender Spender findet.
Michael Pöttgen ist so ein Glücksfall. Er hat sich „typisieren“ lassen: Aus knapp einem Fingerhut voll Blut oder auch aus einem Abstrich der Wangenschleimhaut werden die Gewebemerkmale des Spenders im Labor bestimmt und bei der Spenderdatei gespeichert. Jetzt stimmten diese „HLA-Merkmale“ mit denen eines Leukämiepatienten überein. Als die Stefan-Morsch-Stiftung den Familienvater fragte, ob er das Versprechen von damals einlösen möchte und heute immer noch als Stammzellspender zur Verfügung steht, lautete seine Antwort: „Ja, klar!“
Er hat das „Ding durchgezogen“, wie er sagt. Um die überlebenswichtigen Stammzellen dem Spender zu entnehmen, gibt es zwei Varianten: Durch eine Punktion des Beckenkamms wird Knochenmark entnommen – niemals aus dem Rückenmark. Das zweite Verfahren ist die Stammzellgewinnung aus dem Blut. Dabei wird dem Spender wenige Tage vor der Entnahme ein körpereigener Botenstoff verabreicht. So reichert sich das Blut mit Stammzellen an und kann dann in einer Entnahmestation (Apherese) ähnlich wie bei einer Dialyse entnommen werden.
Zuhause in Bochum hat Michael Pöttgen für all die Dinge, die er vom VfL Bochum gesammelt hat, ein eigenes Zimmer eingereicht. In seiner Freizeit trainiert er einem Mädchen-Fußball-Mannschaft: „Das ist manchmal stressiger als mein Beruf“, erzählt er. Selber Fußball zu spielen hat der Ex-Torhüter von Preußen-Ehrenfeld aufgeben müssen. Stattdessen fährt er Fahrrad und macht Muskelaufbau-Training. Auf das Unternehmen „Stammzellspende“ ist er stolz und will andere dazu animieren, sich als Stammzellspender zur Verfügung zu stellen: „Ich finde, jeder sollte sich mit dem Thema beschäftigen. Es sind nur zwei Pikser für mich, aber für den Patienten bedeutet das die Hoffnung auf Leben.“

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