Hoffen – Helfen – Heilen

„Man kann ein Leben retten“, hat sich Murat Özcan vor fast sechs Jahren gesagt und sich als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren lassen. Damals war das vielleicht nur so ein leicht dahin gesagter Satz, heute ist dieser Satz konkret. Denn jetzt konnte der 26 Jährige Einzelhandelskaufmann aus Bad Homburg wirklich einem todkranken Menschen, die Chance auf Heilung geben. Im Frühjahr 2007 bewegt der Aufruf der Stefan-Morsch-Stiftung für die 10 Jährige Cana viele Menschen in Bad Homburg. Mehrere Typisierungen werden organisiert. Insgesamt geben mehr als 3000 Menschen eine Blutprobe ab, um in die älteste deutsche Stammzellspenderdatei aufgenommen zu werden. „Wir sind damals mit der ganzen Fußballmannschaft hingegangen“, erzählt Murat Özcan. Sein Verein ist der ASV Barispor Bad Homburg, ein türkischer Fußballverein, dessen Wappen ein fliegende weiße Taube ziert.
Sechs Jahre sind seitdem vergangen. Murat Özcan ist 26 Jahre alt und engagiert sich gerne ehrenamtlich unter anderem im Vorstand des Bundes der Alevitischen Jugend Deutschland (BDAJ). Vergangenes Jahr hat er selbst mit der Alevitschen Jugend Frankfurt für einen kleinen Jungen, der in Düsseldorf lebt, eine Typisierungsaktion organisiert: „Ich habe damals den Vater des Jungen kennengelernt. Deshalb ist das Thema für mich ganz aktuell.“ Er weiß, Leukämie kann jeden treffen – egal ob Frau oder Mann, jung oder alt, egal welcher Nationalität, Religionszugehörigkeit oder politischen Ansicht. Der Blutkrebs macht keinen Unterschied. „Man muss sich nur vor Augen halten, dass ein Familienmitglied oder ein Freund diese Krankheit bekommt. Mit einer Stammzellspende kann man ihm eine letzte Chance geben, geheilt zu werden“, so Özcan.
Leukämie ist eine bösartige Erkrankung der weißen Blutkörperchen, die ihren Ausgang im Knochenmark nimmt, wo sämtliche Blutzellen des Menschen im Knochenmark gebildet werden. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann kann nur die Übertragung gesunder Blutstammzellen das Leben des Patienten retten. Auch bei einer Reihe anderer Bluterkrankungen, wie angeborenen schweren Immundefekten oder bei Krankheiten, deren Behandlung eine massive Chemotherapie oder starke Bestrahlung erfordert, hat sich die Übertragung gesunder blutbildender Zellen bewährt.
Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu entnehmen gibt es heute zwei Methoden: Bei der klassischen Methode der Knochenmark-Entnahme entnehmen Mediziner etwa 0,8 bis 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die zweite Methode ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation werden dann die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert bzw. zentrifugiert. Apherese heißt dieses Verfahren. Über die Art der Spende entscheidet der Stammzellspender. Murat Özcan hat sich für diese Variante entschieden. Meine Familie und seine Freunde haben ihn bei seiner Entscheidung für die Stammzellespende unterstützt: „Viele haben gesagt, sie würden gerne mit mir tauschen, wenn sie dürften“, erzählt der sportliche junge Mann. Er hofft nun, dass er mit seiner Stammzellspende einem Menschen helfen kann.“