Hoffen – Helfen – Heilen

Raffael Klöß wollte 2007 helfen. Ein guter Freund war an Leukämie erkrankt. Deshalb ließ der Bad Sobernheimer sich wie 1400 andere auch in Oberreidenbach (Kreis Birkenfeld) als StammzellStammzellenspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren. Jetzt kann der 24 Jährige Lagerist der Simona AG in Kirn tatsächlich vielleicht ein Leben retten: „Es ist so einfach, jemandem zu helfen. Ich fordere alle auf, sich ebenfalls typisieren zu lassen.“„Hoffen, helfen, heilen“ unter diesem Motto bietet die Stefan-Morsch-Stiftung seit mehr als 25 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Unter anderem wird in Birkenfeld die älteste StammzellStammzellenspenderdatei Deutschlands geführt. In dieser Datei kann sich jeder registrieren lassen, der zwischen 18 und 50 Jahre alt und bereit ist, Stammzellen für einen Leukämie- oder Tumorkranken zu spenden. Voraussetzung dafür ist, dass man eine Blutprobe (ein Fingerhut voll genügt) oder einen Abstrich der Mundschleimhaut abgibt. Aus diesen Proben werden im Labor der Stiftung die Gewebemerkmale analysiert und in der Datei verzeichnet.
Jährlich erkranken mehr als 10 000 Menschen an Blutkrebs oder einer anderen Krankheit, bei der man im schlimmsten Fall nur durch eine Stammzell-Transplantation eine Chance hat, geheilt zu werden. Wenn eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung nicht ausreichen, den Krebs zu besiegen, ist die Transplantation eines neuen, blutbildenden Systems die letzte Möglichkeit. Raffael Klöß weiß, was Leukämie bedeutet. Sein Freund von damals, hat den Blutkrebs nicht besiegen können. Klöß hat sich „typisieren“ lassen, obwohl er wusste, dass er wahrscheinlich nicht als Stammzellenspender für seinen Freund in Frage kommt. Aber er mit seiner Einverständniserklärung und seiner Blutprobe hat er damals quasi das Versprechen abgegeben, einem Menschen, irgendeinem Menschen, eine Überlebenschance zu geben. Denn die Stammzellenspenderdaten stehen – anonymisiert – in der Zentraldatei (ZKRD) für weltweite Suchanfragen zur Verfügung. So ist die Stefan-Morsch-Stiftung Teil eines internationalen Hilfsnetzwerkes für leukämie- und Tumorpatienten.
Raffael Klöß weiß auch jetzt nicht, wem er helfen kann – vielleicht ist es ein Kind in Südamerika, vielleicht ein Familienvater aus dem Ruhrpott oder eine allein stehende alte Dame in Finnland. Der Datenschutz erlaubt eine direkte Kontaktaufnahme erst nach Ablauf von zwei Jahren, wenn beide – Stammzellenspender und Patient – damit einverstanden sind. Außer einem Dank der Stefan-Morsch-Stiftung bekommt er nichts dafür, kein Geld, vielleicht auch nie ein Dankeswort seines Empfängers. Und trotzdem hat er sich zur Entnahme der Stammzellen entschlossen.
Für eine solche Entnahme konnte er unter zwei Varianten auswählen: Die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm – ein Eingriff unter Vollnarkose. Oder die Stammzellapherese. Das bedeutet: Raffael Klöß musste sich einen körpereigenen Botenstoff spritzen, der die Produktion von Stammzellen stimuliert und diese dann ins Blut übergehen lässt. Als Nebenwirkungen können vorübergehend grippeähnliche Symptome auftreten. Die Entnahme erfolgt dann ähnlich wie bei einer Blutplasmaspende oder einer Dialyse. Raffael Klöß hat sich für die Apherese in der Birkenfelder Entnahme-Station der Stefan-Morsch-Stiftung entschieden. Er ist gerade dabei eine kleine Familie zu gründen: „Ich war überrascht, als mich die Stefan-Morsch-Stiftung anrief und mir erklärte, dass ich als Stammzellenspender in Frage komme. Und ich danke sowohl meiner Hausärztin als auch den Ärztinnen der Stiftung für die gute Betreuung und Aufklärung. Ich bin froh und hoffe, dass ich wirklich helfen kann.“