Hoffen – Helfen – Heilen

„Fack ju Friedhelm“ ist der Typisierungsaufruf überschrieben, der am Sonntag, 10. Januar 2016,  Menschen dazu motivieren soll, sich als mögliche Stammzellspender registrieren zu lassen. Dahinter steht die Geschichte einer jungen Saarländerin, die ihre lebensgefährliche Krankheit einfach „Friedhelm“ nennt. „Friedhelm“ kann man leichter fluchen, wenn man wütend ist, als irgendeinen lateinischen Fachausdruck, der doch nur sagt, dass das Leben und alles, was man liebt, bedroht sind. Hinter „Fuck ju Friedhelm“ stehen viele Geschichten. Denn betroffen ist nicht nur die junge Frau aus Neunkirchen. Ein Beispiel: Sven Flätchen hat den Slogan in Bilder, Plakate und Flyer umgesetzt. Aber er hat noch eine zweite Geschichte, die auch unbedingt hierher gehört:
Sven Flätchen ist 35 Jahre alt, verheiratet und vor wenigen Monaten zum ersten Mal Vater geworden. Er ist Chief Project-Manager bei „madco“, einer Saarbrücker Medienagentur, und sagt: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht!“ Früher hat er Mountainbike-Rennen gefahren – in der Bundesliga. Als Papa mit einem Job, der manchmal mehr als acht Stunden erfordert, ist der Radsport in den Hintergrund getreten. Er erzählt das ohne Bedauern: Frau, Familie, Freunde – das ist wichtig. Die Frau, die gegen „Friedhelm“ kämpft, ist die beste Freundin der Familie. „Keine, der man im Krankenhaus das Händchen halten darf…“, erzählt der Mann, der seit mehr als zehn Jahren als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registriert ist.

Über einen Aufruf der Katholischen Jugend in Speyer ist er auf die Stammzellspenderdatei aufmerksam geworden, hat sich ein Entnahmeset bestellt und sich bei seinem Hausarzt typisieren lassen. Einfach so, weil es ihm richtig und wichtig erschien.  In den Knochenmark- und Stammzellspenderdateien wie der der Stefan-Morsch-Stiftung sind derzeit weltweit mehr als 27 Millionen Menschen registriert. Und trotzdem ist es für jeden Patienten ein Glücksfall, wenn sich ein passender Spender findet, der die gleichen Gewebemerkmale besitzt wie der Patient.

So ein Glücksfall war Sven Flätchen dann vor exakt 5 Jahren.  Damals erhielt er zunächst die Nachricht der Stefan-Morsch-Stiftung: Er könnte möglicherweise der passende Spender sein – ob er noch dazu bereit wäre, Stammzellen zu spenden? „Super!“ fand er es, „dass ich jemandem helfen kann!“ Aber wieder entscheidet er: „Die Spende ist meine Privatsache. Das muss man nicht an die große Glocke hängen.“ Nur sein engstes Umfeld, erfährt davon. Heute ändert er seine Meinung – auf Bitten der Stefan-Morsch-Stiftung, die weiß wie wichtig es ist, dass Menschen wie er von ihren Erfahrungen bei der Stammzellspende erzählen, um anderen die Scheu zu nehmen.

Bevor der damals selbständige Diplom-Kaufmann Stammzellen spenden durfte, wurde ihm bei einer gründlichen Untersuchung alles erklärt. Das änderte nichts an der Bereitschaft zur Spende: „Ich bin jemand, der sehr viele Fragen stellt, aber es war alles sehr familiär! Ich habe mich gut betreut gefühlt“ Dann begann die entscheidende Phase vor der Transplantation. Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, wird heute die Entnahme so genannter peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse – angewandt.

Dazu wird dem Spender einige Tage lang ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation werden dann die Stammzellen aus dem Blut gefiltert. Apherese heißt dieses Verfahren.

Zu diesem Zeitpunkt erfahren weder Sven Flätchen noch der Patient, wer der andere ist. In Svens Fall war es eine Patientin, Anfang 40. Mehr erfuhr er nicht, weil bis zwei Jahre nach der Spende die Daten gesetzlich unter Verschluss bleiben. Am 27. Dezember 2010 fuhr er schon sehr früh in die Entnahmestation der Stefan-Morsch-Stiftung. „Ich war müde und hatte leichte Rückenschmerzen von dem Botenstoff, den ich mir in den Tagen vorher verabreicht hatte. Aber das war nicht so schlimm und die Entnahme war völlig schmerzfrei“, erzählt er. „Am späten Nachmittag war ich mit der Spende fertig.“

Dann wurde das Transplantat sofort zum Patienten gebracht. Parallel zur Vorbereitung von Sven Flätchen wurde in der behandelnden Transplantationsklinik die Patientin vorbereitet. Das bedeutet: Bestrahlung und/oder Chemotherapie löschen das Immunsystem aus oder unterdrücken es sehr stark. In dieser Phase ist das Leben des Patienten massiv gefährdet. Emil Morsch, Vorstandsvorsitzender der Stefan-Morsch-Stiftung, erklärt: „Eine Transplantation ist immer eine letzte Chance. Diese Chance bekommt ein Patient nur durch den passenden Spender.“ Sven Flätchen erfährt wenige Monate nach der Spende, dass „seine“ Empfängerin verstorben ist – nicht weil die Transplantation nicht geklappt hat, sondern weil ein Krankenhauskeim sie das Leben gekostet hat.

„Nee, das kann  nicht wirklich wahr sein“, hat er gedacht, als er vor wenigen Monaten erfuhr, dass seine beste Freundin eine Stammzelltransplantation braucht. Auch er ist wütend auf „Friedhelm“. Deshalb will er aufklären: „Jeder kann helfen. Der Eine macht Plakate und verteilt Flyer. Der Andere organisiert eine Benefizaktion. Der Dritte entschließt sich, sich typisieren zu lassen. Und wieder ein Anderer hilft, weil er vielleicht diesen Aufruf auf seiner Facebook Seite teilt, Freunde zu der Veranstaltung einlädt oder in seinem eigenen Verein für die Aktion wirbt. Auch Geldspenden sind willkommen, denn die Registrierung als Stammzellspender kostet die Spenderdatei 40 Euro.  Wer vielleicht gesundheitlich oder aus Altersgründen nicht mehr Spender werden darf, kann so die Typisierung eines geeigneten Spenders übernehmen. Jede Unterstützung ist richtig und wichtig.“ (dji)

Spendenkonto:  Sparkasse Neunkirchen BIC: SALADE51NKS, IBAN: DE79 5925 2046 0100 1600 76

Mehr über den Typisierungsaufruf Fack ju Friedhelm

 

 

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